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Der Null PPM Mythos in der Gebäudereinigung

VF-Reinigungstechnik
2026-06-19 10:51:00 / Kommentare 0
In der Glas- und Solarreinigung wird oft die Frage nach dem richtigen Leitwert für das nötige Wasser diskutiert. Das eine Lager schwört hier auf "0 PPM", während das andere Lager sich mit Werten nahe an Null zufrieden gibt und z.B. darauf achtet, dass das Reinwasser für die Glasreinigung unter 15 PPM ist bzw. für die Solar- und Fassadenreinigung unter 30 PPM.
Als Hersteller der OSMOBIL-Systeme setzen wir seit über 15 Jahren auf Osmose-Anlagen, die auf ein Harz-System verzichten und somit nicht Null-PPM erreichen können. Unsere Hochdruckmembranen kommen nahe an Null PPM (auch bei sehr hartem Wasser), jedoch nicht auf Null PPM. Dadurch sind unsere Geräte kleiner, günstiger in Anschaffung und Unterhalt und können bis zu 3 Monate ungenutzt stehen bleiben (da das Harz fehlt, kippt das Restwasser im System nicht so schnell um und es ist auch keine Desinfektion nötig). 
Warum machen wir das so und warum haben wir damit Erfolg? 
Wer hat hier nun recht? Was ist besser für die Reingigung? Wie viel PPM sind noch okay, und wie viel nicht mehr? 
Neben 15 Jahren praktischer Erfahrung - und die sagt uns, dass Flecken bei der Reinwasserreinigung zu 95% ein Anwenderfehler sind und nur selten auf "schlechtem Wasser" basieren - gibt es harte wissenschaftliche Fakten, die klar zeigen: Null PPM sind nicht nötig und quasi auch nicht möglich. Das ist vermutlich für die meisten Leser dieses Beitrages neu.
Wir wollen dies mal im Einzelnen durchgehen und betrachten und der Frage nachgehen:
Warum brauchen wir für die Osmosereinigung von Fenstern, Solaranlagen und Metallfassaden nicht Null PPM, sondern warum reicht aus "nahe an Null PPM zu kommen"?

1. 5 PPM sind nicht = 5 PPM
Zum einen ist PPM ein quantitatives Messverfahren und sagt dir nur "da ist ein Leitwert bzw da ist ein Teilchen". Zudem entsteht der Leitwert im Wasser nicht durch die gelösten Mineralien, sondern durch deren ausgelöste Ionen. Und jetzt kommts: Nicht alle Ionen erzeugen einen gleich guten Leitwert. Deshalb kann Wasser mit einem recht geringen Anteil an Natrium (Salz) einen genau so hohen Leitwert erzeugen, wie ein deutlich härteres Wasser, mit einem höheren Anteil an Calcium und Magnesium (Kalk). Dies erklärt auch, warum es Wasserqualitäten mit z.B. 13 PPM gibt, die nach dem Abtrocknen winzige Spots stehen lassen und andere, wo wir mit 90 PPM perfekte Ergebnisse erzielen.   
 
2. Wann wechselst du den Filter?
Auch Null-PPM-Fans wechseln nicht beim Sprung von 0 auf 1 PPM Ihren Harzfilter, sondern bei 10, 5 oder 15 PPM und arbeiten somit lange außerhalb der Null.

3. Es gibt nicht "Null Strom":
Ein Leitwert von Null PPM ist immer eine Interpetation und lässt sich physikalisch nicht messen. Null PPM bedeutet: Kein Strom. Dies gibt es an sich in der Umwelt schon einmal nicht. Dazu kommen div. Störquellen, magnetische Felder, kleinste Produktionstoleranzen an Messonden und viele weitere Faktoren. Entsprechend ist es so, dass die einfache und günstigen Messgeräte, die wir außerhalb von Laboren nutzen, eine hohe Standardabweichung von 1-4 PPM aufweisen, auch wenn diese oft kalibiert werden.
 
4. Farbe nach dem Abtrocknen:
Mit Blick auf Punkt 1 muss auch festgehalten werden, dass nicht alle Mineralien gleich auftrocknen. Calcium und Magnesium z.B. trocknen in der Regel sichtbar "weiß" auf. Salz und, Kalium sind als Beispiel nach dem Abtrocknen auf der Scheibe quasi unsichtbar.
 
5. Rückstände und CO2: 
Rückstände im Messgefäß, an der Messonde oder z.B. nur das C02 in der Luft, beeinflussen den Messwert mehr, als z.B. die wirklichen Restionen im Wasser.

6. Anströmverhalten und Wassertemperatur:
Das Anströmverhalten auf die Messsonde (wenn diese fest verbaut ist) und die Wasser- bzw. Umgebungstemperatur beeinflussen das Ergebnis massiv. Die Wassertemperatur z.B. nachweislich: Mit jedem Grad mehr Wassertemperatur steigt die Leitfähigkeit um 2%. Mit jedem Grad weniger, sinkt die Leitfähigkeit. Aktuell hat das Wasser bei uns 15 Grad. Vor 6 Wochen waren es 9 Grad. Das sind 12% unterschied. Bzw. werden so aus 5 PPM fast 6 PPM. Gute Messgeräte gleichen dies zwar aus, jedoch kann es auch diesbezüglich zu Abweichungen kommen.

Fazit: Ja, wir müssen na an Null PPM. Ob wir mit 0, 5, 15 oder 20 PPM arbeiten, spielt jedoch keine Rolle. 

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